Diagnostisches Centrum   /   Naturklinik Michelrieth

Eisenmangel 474

Nach wie vor sind viele Ärzte, Heilpraktiker oder andere Angehörige der Heilberufe der Meinung, dass ein Eisenmangel sozusagen über das Blutbild diagnostiziert werden müsste. Tatsächlich ist eine Eisenmangelanämie eine häufige Erkrankung, es gibt aber zwei- bis dreimal mehr Patienten mit einem Eisenmangel als mit einer Eisenmangelanämie.

Zur Prävention eines Eisenmangels wird leider nach wie vor meist der Verzehr von Fleisch empfohlen. Es soll hier nicht in Frage gestellt werden, dass Fleisch Eisen enthält. In sehr vielen Studien ist aber gerade die Hämeisenaufnahme mit nachteiligen gesundheitlichen Effekten assoziiert. Zum Beispiel hat die INTERMAP-Study gezeigt, dass die Gesamteisenaufnahme und die Nicht-Hämeisenaufnahme mit einem niedrigen Blutdruck verbunden war, während die Hämeisenaufnahme blutdruckerhöhend wirkte.

Auch was die Sinnhaftigkeit der üblichen Ferritin-Referenzbereiche anbelangt, sind doch erhebliche Zweifel angebracht. In nahezu allen Studien zum Thema Eisentherapie wird inzwischen ein Ferritinwert kleiner als 100 Mikrogramm pro Liter als Eisenmangel definiert, so auch in den neuen Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie zur Behandlung der Herzinsuffizienz.

Auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie im April 2017 wurde auch betont, dass eine Eisenaufnahme über die Nahrung bei Patienten mit Herzinsuffizienz nicht ausreicht. Bei Patienten mit Herzinsuffizienz besteht eine chronische Entzündung, die zu einer vermehrten Produktion von Hepcidin führt, was wiederum die Eisenaufnahme im Darm reduziert. Aus diesem Grund ist auch eine Eisensubstitution in Tablettenform nicht sehr erfolgsversprechend.

Auf dem Europäischen Kardiologiekongress wurde von hamburger Kardiologen berichtet, dass Patienten mit akutem Koronarsyndrom, die einen Eisenmangel aufwiesen, ein um 70 Prozent erhöhtes Risiko hatten, innerhalb von vier Jahren durch Herz-Kreislauf-Erkrankung zu versterben. Ein Eisenmangel ist also ein starker und unabhängiger Prognosefaktor für Patienten mit akutem Koronarsyndrom.

Ein Eisenmangel geht häufig mit Müdigkeit einher. Dies hat eine Metaanalyse von randomisierten kontrollierten Studien ergeben. Ein Eisenmangel ohne eine Eisenmangelanämie war mit Müdigkeit assoziiert, außerdem fand sich ein signifikanter therapeutischer Effekt einer Eisenbehandlung bei Patienten mit Eisenmangel- und Müdigkeitssymptomen.

 

Referenzen:

  •     medicalnewsbulletin.com, 02.09.2017: Is Iron-Deficiency Without Anemia a Potential Cause of Fatigue?
  •     Esanum.de, 21.04.2017: Herzinsuffizienz und Eisenmangel: Was sagt die ESC-Leitlinie 2016?
  •     Idw-onlin.de, 30.08.2017: Akutes Koronarsyndrom: Eisenmangel erhöht das Risiko um 20 Prozent.
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