Diagnostisches Centrum   /   Naturklinik Michelrieth

Vegetarier 474
Die vegetarische Ernährung ist eine Lebensform, die immer weiter auf dem Vormasch ist. Waren im Jahr 1986 in Deutschland nur etwa 0,6 % der Bevölkerung Vegetarier, so waren es im Jahr 2012 nach Schätzungen des Bundes der Vegetarier bereits 9  - 10 %, das sind 7 - 8 Millionen Menschen. Hierfür sind in erster Linie ethische Aspekte verantwortlich, aber auch gesundheitliche Gründe spielen eine Rolle.

In Deutschland und anderen Industrienationen tragen ernährungsabhängige Erkrankungen wesentlich zur Morbidität und Mortalität der Bevölkerung bei. In einer Presse¬mitteilung der Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik e.V. vom Oktober 2003 werden 54,5 % der Frauen und 66,5 % der Männer als übergewichtig eingestuft. Fast vier Millionen Menschen leiden an Diabetes mellitus; 46 % aller Todesfälle entfallen auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Derzeit werden die Kosten zur Behandlung ernährungsabhängiger Krankheiten auf über 60 Mrd. Euro geschätzt, das ist mehr als ein Drittel aller Ausgaben im Gesundheitswesen. Der so genannte westliche Ernährungsstil (Western Diet) ist durch eine zu hohe Fett- und Proteinzufuhr bei einer zu geringen Aufnahme von Ballaststoffen sowie von Vitaminen und Mineralstoffen gekennzeichnet.

Eine der sinnvollsten Alternativen zur „Western Diet“ ist die vegetarische Ernährung, von der es bekanntlich mehrere Varianten gibt. Die ganz überwiegende Anzahl der ca. sechs Millionen Vegetarier in Deutschland ernährt sich ovo-lakto-vegetabil. Die in vorliegendem Artikel gemachten Aussagen beziehen sich auf diese Ernährungsform. Im Juni 2003 wurde ein neues Positionspapier der American Dietetic Association und der Dietitians of Canada zur vegetarischen Ernährung veröffentlicht. Diese Publikation ist eine umfangreiche ernährungsphysiologische und ernährungsmedizinische Bewertung der vegetarischen Ernährung auf dem neuesten wissenschaftlichen Stand. Darin heißt es, dass sorgfältig zusammengestellte vegetarische Ernährungsformen gesund und ernährungsphysiologisch ausreichend sind und gesundheitliche Vorteile in der Prävention und Therapie bestimmter Krankheiten bieten.

Während früher die vegetarische Ernährung als eher minderwertig und risikobehaftet eingestuft wurde, scheint sich das Blatt jetzt zu wenden. In modernen Public-Health-Modellen wird die Nutzen-Risiko-Relation der vegetarischen Ernährung deutlich günstiger bewertet als die der üblichen Mischkost. Das Problem in den Industriestaaten ist nicht ein Kalorien- und Eiweißmangel, sondern eine zu geringe Zufuhr pflanzlicher Nahrungsmittel. Der gesundheitliche Vorteil durch einen reichlichen Verzehr pflanzlicher Produkte ist so erheblich, dass viele Zivilisationskrankheiten heute als „phytochemical deficiency diseases“ bezeichnet werden können.

Die vegetarische Ernährung ist sowohl ethisch als auch von Seiten gesundheitlicher Aspekte gegenüber einer Ernährung mit Fleisch und/oder Fisch die eindeutig vorteilhafteste Ernährungsform.

Doch wie sieht es bei Vegetariern mit der Eisenversorgung aus? Viele von uns haben noch gelernt, und viele Ärzte und Heilpraktiker sind auch heute noch der Überzeugung, dass Vegetarier einen Eisenmangel haben müssen. Bei einer Anämie wurde und wird einem Vegetarier auch heute noch geraten, Fleisch zu essen, weil nur dadurch genügend Eisen zugeführt würde. Das ist jedoch falsch: Die nationale Verzehrstudie ergab, dass Männer und Frauen die größte Menge an Eisen über Brot aufnehmen, gefolgt von alkoholfreien Getränken. Obst und Gemüse enthalten genauso viel Eisen wie Fleisch und Wurst. So beinhalten 100 g Roggenbrot 3,3 mg Eisen, 100 g Rindfleisch 2,9 mg, 100 g Hühnerfleisch 1,4 mg, und Fisch je nach Art nur 0,7 - 1,2 mg. In 100 g Hülsenfrüchten sind 5 – 7 mg Eisen enthalten.

Auch unsere eigenen Untersuchungen in der HG Naturklinik Michelrieth und der  Praxis für Orthomolekulare Medizin DCMS zeigen, dass Vegetarier im Durchschnitt keinen geringeren Eisenspiegel haben als Mischköstler, die Fleisch und Fisch essen.

Es gelten bzgl. der Eisenversorgung bei Vegetariern die gleichen Kriterien für einen Eisenmangel wie für Mischköstler auch.

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